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  • The Spirit Scribe

Die Aufgaben des Rates


30.10.2020


Mein Placement hat mich heute zu einer Pagode gebracht. In einen sonnenbeschienenen Park. Er sieht aus wie ein japanischer Garten. Es ist sehr schön und friedlich hier. Ich trete aus dem Schatten der Pagode und nehme mir vor, alle bisherigen Aspekte meiner Reise zu grüßen, damit sie mir helfen, so tief in die Konzentration zu kommen, wie ich gehen muss, um den Council zu treffen. Ich gehe also in irgendeine Richtung weg. Schon sehr bald sehe ich die Harpyie am Wegesrand stehen – diese wunderschöne Vogelfrau, die einen ganzen Monat mit mir über Wut und Zorn und das 1. Chakra gesprochen hat. Ich grüße sie herzlich. Auch die anderen Aspekte tauchen nach und nach am Wegesrand auf und schenken mir nacheinander ihren Segen. Jormungandr, der Meister. Sogar die Elfen sind da. Nur den 2. Aspekt treffe ich natürlich nicht. Unser Gespräch hat ja noch nicht stattgefunden.

Am Ende spüre ihren Segen durch meinen ganzen Körper strömen. Jetzt fühle ich mich vollkommen bereit für den Council of Colours. Ich habe das Gefühl, ich muss nicht weit gehen, um ihn zu treffen. Ich bin vollkommen gelöst und dankbar. Was hinter mir liegt, kann ich kaum in Worte fassen, und was vor mir liegt, kann ich mir nicht einmal vorstellen.

Ich gehe weiter durch den Park und sehe bald den Council, der sich mir wieder unterteilt in Farbaspekte zeigt. Sie sitzen dort im Halbkreis in einer Art Kugel oder Kapsel, jeder für sich. Die erste Kugel ist weiß, dir nächste blau, lila, orange, rot, und so weiter.


Die Frau, die meistens mit mir spricht – ich nenne sie der Einfachheit halber White – bemerkt meinen fragenden Blick und erklärt mir: »Durch die Kugeln haben wir es leichter hier unten. Sie sind wie Eier, sie bringen die nötigste Nahrung mit herunter und helfen so, dass wir länger bleiben können. Obwohl du uns ein gutes Stück entgegenkommst, ist es für uns enorm schwer, so tief zu sinken. Das ist nicht deine Schuld. Wir müssen eben eine Balance finden zwischen unserem Gespräch, unserer wahren Form, und deinem Alltag. Dies ist unser Kompromiss.«

T: Es ist so schön, dass ihr da seid. Ich hatte Angst, dass ich euch nicht mehr treffen kann. Dass ich es nicht mehr schaffe, so tief in mein Innerstes zu reisen. Wie ihr vorgeschlagen habt, schreibe ich heute nicht mit, sondern lasse ein Diktiergerät laufen. Ich kann nicht so tief gehen und die Augen offen haben, ihr hattet völlig recht.

W: Siehst du, wenn man Kompromisse macht und zu ihnen bereit ist, dann kann man alles schaffen.

T: Was ist das Wichtigste, was der Council mir heute sagen könnte?

W: Nein, nein. Was ist das Wichtigste, das der Council dir heute sagen muss.

T: [perplex] Muss? Seid ihr nicht über das Müssen hinaus?

Der Aspekt »Schwarz« meldet sich zu Wort: Nein, ganz und gar nicht. Die Menschen glauben immer nur, wir wären über das Müssen hinaus. Natürlich ist unser »Müssen« ein anderes als eures. Wir müssen nicht essen, wir müssen nicht schlafen. Aber einige Dinge erledigen, das müssen wir doch.

T: Ich habe es den Meister schon gefragt – und ich frage auch euch. Bin ich euer Job?

W: Und genau wie der Meister wollen wir dir antworten: Ein Job ist eine sehr seltsame Sache. Ihr definiert damit Dinge, die für uns nicht gelten. Deshalb, nein. Niemand ist unser »Job«. Es fällt sehr schwer, in eurer Sprache zu unterscheiden zwischen einer Aufgabe, die man nicht mag, und einer Aufgabe, die man sehr gerne mag. Das Wort Berufung trifft es vielleicht ganz gut. Aber für euch ist eine Berufung ewig (oder zumindest lebenslang). Für uns kann eine »Berufung« bedeuten, an einem ganz bestimmten Tag eurer Zeitrechnung etwas ganz Bestimmtes zu tun oder jemanden zu kontaktieren. Ihr habt kein Wort dafür, wenn man sich ganz und gar einer Sache verschreibt für eine Zeiteinheit im Leben eines anderen. Dieses Wort besitzt ihr nicht. In keiner Sprache. Schade eigentlich, aber wir werden das nicht ändern.


T: Was genau ist eure dauerhafte Berufung in Bezug auf alle Menschen?

W: Das ist SO schwer zu erklären. Häufig fällt das Wort »Wächter«, wenn man von uns spricht. Vielleicht kann man es am besten mit einem Bild sagen: Stell dir vor, du hast eine sehr komplexe Maschine, die 10.000 Fäden zu einem Gewebe spinnt. Jeder Faden hat seinen Platz. Wenn du dir das Universum als eine solche Maschine vorstellst, dann produziert sie zwei Produkte – das eine heißt RAUM, das andere heißt ZEIT. Und wir sind diejenigen, die die Maschine betreuen! Wir sorgen dafür, dass die Fäden stimmen und überhaupt welche da sind; dass Strom da ist (im übertragenen Sinne) bzw. dass er in die Maschine fließen kann – denn DA ist er auf jeden Fall. Wir überwachen alles rund um die Maschine. Wenn wir mit dem Ergebnis der Produkte RAUM und ZEIT nicht zufrieden sind, nehmen wir andere Einstellungen an der Maschine vor. Wenn wir merken, dass ein Faden klemmt, suchen wir die Ursache. Nur wenn alles fein abgestimmt ist und zusammen spielt, haben wir nachher genau das, was wir haben wollen. Oder, genau genommen, was das Universum braucht.

Wir sind die Qualitätskontrolle, wenn du so willst – betreuen aber eben auch jedes kleine Zahnrad. Diese vielen Fäden, die zusammenspielen, sind sowohl Menschen als auch Planeten. Sonnen und Monde und natürlich sehr viele Dinge aus der ungesehenen Welt. Auch das muss alles stimmen. Wir greifen aber nicht oft in die Maschine ein. Er wäre uns am liebsten, wir müssten das gar nicht tun. Aber von Zeit zu Zeit müssen wir erkennbar etwas ändern. Du kannst dir das vorstellen wie einen Knoten im fertigen Gewebe. Das ist nicht besonders schön, aber wenn die Alternative ist, dass die Maschine ganz kaputtgeht, wirst du diesen Knoten hinnehmen. Die Menschen kamen schon oft an den Punkt, wo so ein Knoten gebildet wurde. Mal ein größerer und katastrophaler, mal ein kleinerer und unbedeutender. Aber im Verlauf von RAUM und ZEIT kannst du jederzeit über das Gewebe fahren, den »Knoten« noch einmal ansehen und dich fragen: Was ist da eigentlich schiefgelaufen? Leider kommt ihr Menschen schon wieder an den Punkt, dass wir uns bald gezwungen sehen, einzuschreiten. Je schneller die menschliche Zivilisation voranschreitet, desto öfter kommt dieser Punkt, an dem die Entscheidung getroffen werden muss, einen Knoten zu bilden, auch wenn er nicht hübsch ist ...

Wenn ihr doch nur verstehen könntet, was für ein grandioses Gewebe dort aus der Maschine kommt und wie ihr Menschen daran teilhabt, dass es entsteht. Wenn ihr doch nur wüsstet, wie sehr ihr Raum und Zeit beeinflusst. Dann würdet ihr ganz anders mit den Dingen umgehen, die ihr seht. Mit euch selbst und mit dem nächsten. Mit dem Tierkönigreich, dem Mineralkönigreich, mit der Erde, usw.

[Pause.]


T: Wie zeigt ihr euch noch? Ich habe keinerlei Referenzen gefunden zu einem »Council of Colours«. Das scheint nicht bekannt zu sein.

W: Wir sind alles, was jemals referenziert wurde. Jede Gruppe von Göttern. Jedes Pantheon [altgriechisch »all«, »gesamt« + »Gott«!!], jedes Archaeon [einzelliges Lebewesen, von altgr. »uralt, ursprünglich]. Jeder Olymp, jeder Hain, jeder Versammlungspunkt von Geistern und Göttern und Erzengeln, die Menschen sich als Wort ausgedacht haben. Du hast mal gelesen, dass wir jedem so erscheinen, wie er uns braucht. Das ist völlig richtig. Die eine wird mit niemandem sprechen außer einem Erzengel, für den nächsten ist es leichter, ein kleines graues Alien zu sehen. Du könntest sagen, wir sind die größten Schauspieler des Universums. Das macht uns aber nicht weniger wahrhaftig. Nur weil du verschiedene Kleider anlegst, bist du doch immer noch die gleiche Person.

T: Warum musste die Challenge jetzt stattfinden?

W: Wie du ganz richtig sagst, wird das Jahr 2020 in die Geschichte eingehen als ein ›verlorenes Jahr‹. Das Virus hat alles genug lahmgelegt, um die Menschen in eine gewisse Lethargie zu schicken. Alle wollen nur noch, dass es vorbeigeht. Das liegt in eurer Natur und wir sind nicht böse darüber. Es kehrt eine große Stille ein in eurem Teil von Raum und Zeit, wenn ihr endlich einmal alle Werkzeuge aus der Hand legt und Ruhe findet. Aber die Menschen kommen auch an ihre Grenzen, ganz klar. Sie kommen an den Punkt, wo keine Motivationsrede und kein aufmunterndes Lied sie mehr wirklich aufbauen kann. Deshalb wollten wir ein Gegengewicht schaffen. Wir tun dies momentan an allen Ecken und Enden. Wir verhelfen gerade so vielen Ideen, Weiterentwicklungen und Konzepten auf die Welt. So viel Kunst. Es gibt so viel, an dem gerade getüftelt wird. Du kannst also zwar sagen, dass 2020 in vielen Punkten ein verlorenes Jahr ist, aber es findet eben auch ein Ausgleich statt. Krise IST Chance, so dumm das klingt!

Deswegen musste auch diese Challenge dieses Jahr stattfinden. Damit das Tagebuch verbreitet werden kann – bald schon.


T: Ich habe so große Probleme damit, anzuerkennen, dass mein Tagebuch etwas Großes ist. Viel größer als ich.

W: Euer ganzes Leben lang wartet ihr darauf, dass euch jemand etwas an die Hand gibt und sagt: »Du bist die Auserwählte, du musst das jetzt machen«. Oder: »Wir wünschen uns, dass du das machst.« Nein, eigentlich: »DU wünschst dir doch schon so lange, so etwas zu machen!« Und wenn euch dann wirklich jemand das Zepter in die Hand gibt, dann fallt ihr aus allen Wolken.

[Timer abgelaufen.]

W: Ich bin nicht die Erste, die das zu dir sagt, und ich werde auch nicht die Letzte sein. Aber irgendwer muss die Arbeit eben machen. Irgendwer musste die Relativitätstheorie niederschreiben. Irgendwer musste die Theorien der Quantenphysik niederschreiben. Irgendwer musste verkünden, dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht anders herum. Und, auch das wurde schon gesagt: Du hast großes Glück in deiner Zeit. Du wirst höchstwahrscheinlich für dein neues Wissen nicht verfolgt werden, oder bedroht.

T: Bitte lass uns morgen weitermachen, ich bin erschöpft.

W (lächelt): Ja, so soll es sein.

Plötzlich verschwinden alle Kugeln nach oben in den Himmel hinein. Der Council ist weg.

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