vibrant-1617470_1280.jpg
vibrant-1617470_1280.jpg
  • The Spirit Scribe

Jormungandr - Tag 20


25.06.2020


Der erste Gedanke, der mir heute durch den Kopf schoss, war: "Wenn Kunst komplett ausbalanciert ist, ist sie tot." [Original: When art is balanced, art is dead.]


Mein Placement brachte mich ziemlich flott in ein Dorf und ich bekam so einen Salem-Vibe. Creepy!! Sofort drängten sich die typischen Bilder auf: Mistgabeln, Folter, Hexen, Mord.


Und weil mein Tag heute emotional wirklich hart genug war [großer Streit mit V., wie üblich Wissenschaft versus Glauben], konnte ich wirklich nur sagen: Nein. Einfach ... nein. Ich kann das heute nicht. Tut mir leid. Wir müssen woanders hingehen. [Die Schlange war irritiert, um es milde auszudrücken.]

J: Aber dies wäre die Lektion für heute. Dieses Dorf ist der Grund, warum du Gewalt nicht ausstehen kannst. Es ist auch der Grund, warum die Serie "Der Report der Magd" dich so extrem getriggert hat, dass du fast wahnsinnig geworden bist. Zusätzlich ist dieses Dorf der Grund, warum ich dich in deiner Jugend davor bewahrt habe, die Gedenkstätte eines Konzentrationslagers zu besuchen, zum Beispiel mit der Schule. Und es ist der Grund, warum dein Ehemann so eine starke Meinung zu Fanatismus jeglicher Art hat.

T: [genervt, gestresst] Wirklich? Ich war eine weiße Frau in einem weißen Dorf? Das ist ehrlich gesagt ziemlich ... langweilig und unwahrscheinlich.

J: Das ist deine Lieblingsform, da kann ich doch nichts dafür. Komm mal her.

[In dem Moment legte Jormungandr seine Stirn wieder an meine und ich bekam eine kräftige Energiedusche. So blieben wir also erstmal eine Weile, damit ich durchatmen konnte.]


T: Danke dir. Warum sehe ich manchmal eine Japanerin in einem Kimono, wenn ich an meine Seele denke?

J: Du willst wirklich nicht in diesem Dorf bleiben, hm?

T: Nein, tut mir leid. Nicht heute.

J: Dann lass mich nur noch folgendes sagen: Dein jetziger Mann war in diesem Dorf mit dir. Aber er war damals nicht dein Ehemann. Er war dein Kind. Er musste zusehen, was mit Menschen wie dir geschah ... mit den Hexen. Wenn er sich gegen Fanatiker ausspricht – UND auch gegen Hexen – dann wiederholt er schlicht und einfach eine seiner tiefgreifendsten Lektionen. "Verbrenne niemanden, und liefere niemandem einen Grund, dich zu verbrennen."

T: Aber ich kann so nicht leben! Ich kann nicht leben ohne jedes kleinste Bisschen Magie. Wenn ich dazu gezwungen werde, dann kann ich es auch gleich lassen und gar nicht leben.

J: Deshalb hasst du seinen Standpunkt ja auch. Du hasst die Tatsache, dass er dich schützen will.

T: Hexen werden heute nicht mehr verbrannt!

J: Oh, wirklich? Zeigt dir das Leben (und Social Media) nicht jeden Tag ein anderes Bild? Okay, die Menschen werden heute "gegrillt" oder "gemobbt", erleben einen "Shitstorm" oder ihnen wird "der Kopf geradegerückt". Ist das keine Form moderner Hexenjagd?

T: Wer ist die Japanerin?

J: Sie war eine Gelehrte. Ihre Worte hatten Gewicht ... bis zu einem Punkt. Irgendwann wollte sie jemand aus dem Weg haben. Und sicherlich kannst du dir vorstellen, wie einfach das war? In einem Patriarchat? Im Jahre Elfhundertirgendwas?

T: Ihr Name?

J: Kesiga(n)(g)i Yamamoto. Das ist natürlich geschrieben wie gehört [und damit sehr unzuverlässig, wg. Schriftzeichen und Co.]. Du wirst außerdem feststellen, dass es von dem Familiennamen Yamamoto eine ältere Form gibt. Aber die Frau an sich wirst du nicht finden. Sie wurde vollständig aus der Geschichte gestrichen – wie so viele andere! Deshalb weißt du auch, dass Wissenschaft sinnlos ist. Sie kann dich im Zweifel nicht retten.

T: Tja, die Hexerei konnte es auch nicht, hm?

J: Nichts kann dich retten, wenn die Masse ihre Entscheidung getroffen hat. Ich sagte es dir ganz zu Beginn:

HOMO.

HOMINI.

LUPUS.

T: Tut mir leid, unsere Zeit ist rum. Aber danke. Ich glaube, ich verstehe jetzt besser.

J: Auf Wiedersehen.

11 Ansichten

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen