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  • The Spirit Scribe

"Wir sind das Ende allen Leidens"


29.10.2020


[Blind Guardian singt »I say farewell to the Eldar«]

Nach meiner Frage, wo ich heute am besten hinsollte, taucht vor meinem inneren Auge schnell die Tempelstadt Lhasa auf, von der ich nur Bilder und Filmaufnahmen kenne. Ich gehe verschlungene Treppen hinauf, die mich zum zentralen Tempel ganz oben führen. Innen im Tempel brennen Feuer, alles leuchtet golden. Mönche wiederholen ihren lauten, rituellen Gesang. Am Eingangsportal sitzt Meister Kei Yu. Wir verabschieden uns noch einmal. Ich muss weinen, obwohl ich weiß, dass er in meiner Seele bleibt.

Der Council of Colours sitzt wie die buddhistischen Mönche in der gigantischen Tempelhalle. Ich habe sofort Assoziationen mit Filmausschnitten und anderen Kunstwerken.


T: Es gibt SO viel Kunst, die genau diese Art von Erlebnis beschreibt.

W: Alle Kunst beschreibt uns, und die Farben sind die Grundlagen aller Kunst. Wir sind Alles-Was-Ist in der Kunst.

T: Ich liebe diesen Tempel. Es tut so gut, euch hier zu treffen.

W: Wir kamen dir ziemlich weit entgegen, um hier sein zu können. Das ist schwierig für uns, aber nicht unmöglich. [Sie macht eine Handbewegung.] Bitte trag dein Kleid, wenn wir uns treffen.

[Das Regenbogenkleid erscheint an mir. Leider ist meine Connection dennoch nicht wirklich gut.]

W: Du brauchst eine bessere Verbindung mit uns.

T: Entschuldigt, ich arbeite dran! Kann ich sie mir vielleicht wünschen?!

W: Du bist am Wünschen vorbei, meine Liebe. Nun musst du dich konzentrieren. Hart.

T: [ruft den Beistand der anderen Aspekte hinzu. Harpiye, Jormungandr, Lillysander, ...]

W: Du besitzt großen Einfallsreichtum, das müssen wir dir lassen. Dennoch, mit offenen Augen wirst du es sehr schwer finden, eine geordnete Konversation mit uns zu führen.

T: Dann kann ich unser Gespräch nicht mehr aufschreiben.

W: Das denke ich auch. Denn wir werden schnell »müde« hier unten und das beeinflusst die Qualität unseres Gespräches. Bring also ein Diktiergerät mit morgen. Das wird dir enorm helfen.


[Musik: »This is the end of all the miracles«]

W: Nein, dies ist gerade erst der Anfang. Du hast bereits realisiert, dass deine Musik nicht in jedem Moment das Treffendste vermittelt. Wir hindern sie ja auch nicht am spielen, aber wir setzen manchmal einen energetischen Schwerpunkt, wo es passt.

T: Das ist mir aufgefallen, danke.

W: Übrigens sind wir entzückt, dass du wieder schreibst. [Tatsächlich schreibe ich derzeit vermehrt am Drachenkind III.]

T: Es fühlt sich wieder mühelos an. Das ist immer so in dieser Phase meines Zyklus.

[Evanescence: »Nothing can hold me ...]

W: Solch traurige Musik.

T: Sie hilft mir dabei, mich zu konzentrieren. Warum nennt ihr euch den Rat der Farben? Du sagtest sogar, ihr seid mein Rat?

W: Das sind wir. Weniger wache Wesenheiten treffen uns nur ein Mal in ihrem gesamten Leben ... am Tag ihres Todes. Sie sind dann ebenso froh und dankbar über die Erfahrung, wie du es bist.


T: Würdet ihr mich mitnehmen auf die andere Seite?

W: Viele, die uns durch einen »Unfall« treffen, wollen das. Wir sind das Ende allen Leidens. Wir sind deine Kutsche in die Ewigkeit. Wenn du des Lebens müde bist, dann wirst du uns unweigerlich treffen. Aber wir nehmen nicht. Etwas nehmen ist eine bewusste, willentliche Aktion, und wir üben niemals unseren Willen gegenüber einem beseelten Wesen aus – inkarniert oder nicht.

T: ...

W: Du zweifelst unsere Worte an.

T: Tut mir leid. Bitte bleib aus meinen Gedanken draußen. Aus meinem Kopf!

W: Liebes, wir sind das, was deinen Kopf gemacht hat ...

T: [sprachlos] ... Werden die anderen nicht zu mir sprechen?

W: Sie finden es hier noch schwieriger, zu kommunizieren, als ich. Bitte bring morgen das Gerät mit.

T: Das werde ich.


[Timer abgelaufen.]

T: Mein Gott, 40 Minuten sind gerade an mir vorbeigeflogen, als wären sie fünf.

W: Die Zeit hat für uns nur Bedeutung, weil du über sie sprichst. Wir sehen, wie sie dich beeinflusst, und doch kannst du nicht ihren umfassenden Effekt auf deinen Geist begreifen. Wir zählen nur die Stunden, die ihr nicht bei uns seid, denn diese sind wahrlich verlorene Zeit.

T: Aber Leben und Alltag sind doch keine verlorene Zeit, oder?

W: Das Leben ist ein Verlust an Erleuchtung. Der Verlust von Erleuchtung bedingt Leiden. Eure Arten und Techniken, wie ihr mit diesen Tatsachen klarkommt, sind unsere einzigen Lehrmeister. Jemand sagte zu dir: »Der Platz neben Gott ist reserviert für die Künstler.« Dies kommt den Tatsachen sehr, sehr nahe (auch wenn eure Sprache wie üblich zu kurz greift...).

T: Lieber Council, morgen mehr?

W: Unbedingt.

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